Vieles in der deutschen Geschichte ist mit dem schönen Vornamen Otto verbunden.
Eine ganze Periode wird sogar die Ottonische genannt. Von Otto I. über O II.
und O III. führt der Gedanke zum Blut- und- Eisen-Otto von B., wir kennen Otto
G. als die eine Hand der SED, Otto Graf L., den Liberalen, dazu noch Otto den
Außerfriesischen und Otto R., den Ehrengriechen. Beispielsweise.
Mein Lob soll sich aber auf den bundesdeutschen Innen-Otto, also Otto S.,
den Scharfen, beschränken. Karriere um jeden Preis, so muß wohl sein Lebensmotto
heißen. Nach erfolgreichem Studium der Rechte gebärdete er sich als Strafverteidiger
von bundesdeutschen Staatsfeinden so eindrucksvoll, daß ihm die Protestpartei
„Die Grünen“ wie auf den talarverhüllten Leib geschneidert schien. Aber hier
kauften ihm andere den Schneid ab, was seine demokratische Seele so tief verletzte,
daß er ins Lager der SPD überlief. Und entgegen der Volksweisheit, daß man wohl
den Verrat, aber nicht den Verräter mag, machte Otto S. weiter Karriere. Und
so geriet er in das Amt des Innen-Otto, das er fortan mit eiserner Hand zum
Schutze seiner Freiheit und der Herrschaft des Geldes ausfüllt. Treu der sozialdemokratischen
Tradition, daß einer ja der Bluthund sein muß.
Er haßt Kriminelle und Drogensüchtige, jagt Terrorverdächtige, läßt bespitzeln,
drangsaliert unliebsame Ausländer und andersdenkende (weil damit verdächtige)
Menschen im Lande. Grundgesetz hin oder her.
Und weil ihm die vielen Wirtschaftsflüchtlinge und ungebeten Einwanderer
ein Pfahl im Fleische sind, will er nun Auffanglager für Asylbewerber in Nordafrika
errichten lassen. Nur wegen Recht und Ordnung in der EU natürlich. Da könnte
man vor Ort selektieren, würde Verfahren und Abschiebungen vermeiden und überhaupt:
Wir könnten uns das ganze Gesocks vom Halse halten. Selbst der Chef von Kap
Anamur („es muß ja nicht Lager heißen“) und die berufsoppositionelle CDU-Chefin
Merkel („überdenkenswerte Alternative“), die sonst aus Prinzip dagegen sein
müssen, erliegen dem spröden Charme von Otto S.. Zu verlockend scheint die Möglichkeit,
gewissermaßen abzuschieben ohne reinzulassen.
Und alles ist im Tierversuch bereits erprobt! Sogar öffentlich! Wer den MDR
empfangen kann, regelmäßig am Freitag 19.50 Uhr einschaltet und die Serie „Elefant,
Tiger & Co“ sieht, der erlebt die Einrichtung einer Afrika-Savanne, das
Zusammenführen verschiedenster Tierarten auf einem umzäunten Gelände am Rande
des Zoo`s mit Blick in die erstrebenswerte Freiheit. Mit einigem Aufwand und
Einfühlungsvermögen der Wärter funktioniert es. Ich habe es vor Ort selbst gesehen!
Also müßte es auch mit Afrikanern verschiedener Völker und Staaten gehen. So
ist die Initiative von Otto S. erklärbar.
Nun scheint es mir auch nicht mehr unmöglich, daß folgendes Gerücht als wahr
in die Nachrichten gerät: Otto S. gründet einen Staat, der als Abschiebeland
für Kommunisten, Linke, Terroristen, Nörgler, Sozialbetrüger, Globalisierungsgegner
und andere Störenfriede dient. Dieser Geniestreich wird wohl sein Lebenswerk
krönen. Begrenzt durch die Eckpunkte Schönberg-Anklam und Gardelegen (Bogen
über Neuruppin) - Frankfurt (Oder) entsteht ein Gebilde, indem sich all die
wiederfinden sollen, denen das Leben hier und heute nicht paßt. Die Menschenversuche
dazu laufen bereits. Unter dem demagogischen Code „Großer Bruder“, der in jedem
gelernten DDR-Bürger die Sowjetunion assoziiert, laufen Laborversuche sogar
im Fernsehen. Dem Zeitgeist verpflichtet verschämt mit dem englischen Titel
„Big brother“. Aber auch Formate wie „Dschungelcamp“, „Auf der Alm“ oder „Frauentausch“
dienen der Vorbereitung einer derartigen Maßnahme. Mit der Aufnahme Polens in
die EU ist schließlich die sichere Aus- und Abgrenzung nach allen Seiten gewährleistet.
Am Namen für dieses Land wird noch gearbeitet. Favorisiert wird derzeit „Ossi-Tal,
Terrain Outcast“, oder kurz und einfach: OTTOLAND. Dagegen allerdings dürfte
sich ein Hamburger Versandhaus vehement wehren. Wegen Rufschädigung. Aber alles
ist ja nur ein Gerücht.