Ein längst totgeglaubtes
Gespenst geht wieder um in Deutschland: Eine neue Generation linker Terroristen
sitzt in den Startlöchern: „In der autonomen Szene werde die RAF immer noch
bewundert, sagt der Hamburger Extremismus-Forscher Wolfgang Kraushaar. `Die
RAF gilt in militärischer Hinsicht zwar gescheitert, nicht jedoch in der Legitimität
ihrer Zielsetzung.´ Eine Reihe kleinerer Gruppen sähe sich immer noch in einer
weltanschaulich geprägten Kontinuität zur RAF.“ (AZ vom 3. 4. 2007, Seite 5).
Nicht
erwähnt wird in diesem Zusammenhang, daß ein nicht unbeträchtlicher Teil der
deutschen Bevölkerung, allen voran die neonazistische Avantgarde des deutschen
Volkstumsgedankens, sich immer noch in einer weltanschaulich geprägten Kontinuität
zum seinerzeit – im Gegensatz zur RAF – eine zeitlang ziemlich erfolgreichen
Tausendjährigen Reich befindet. Dessen vielbewunderte Leistung bestand bekanntlich
darin, das feindliche Gesellschaftssystem – man nannte es damals auch Demokratie
– mit militärischen, das heißt Gewaltmitteln, ziemlich erfolgreich zerschlagen
zu haben.
Fragt sich angesichts der angeblich dräuenden
Linksstimmung im Jungvolk der AZ-Journalist mit sorgenzerfurchter Stirn: „Könnte
es also wieder eine terroristische Gruppe wie die RAF geben?“ Der Hamburger
Extremismus-Forscher Wolfgang Kraushaar dazu: „`Jedenfalls gibt es im Vorfeld
des G-8-Treffens, das im Sommer in Heiligendamm stattfinden soll, bereits seit
Monaten Anschläge auf Wohnhäuser und Fahrzeuge von Politikern und Managern´,
sagt Kraushaar. Zwar geht es dabei nicht um körperliche Gewalt, meist wird nur
mit Farbbeuteln geworfen. `Aber es handelt sich um eine nicht ungefährliche
Stufe der Militanz.´“
Aufgepaßt! Vom Farbbeutel zur Bombe
ist es also nur ein kleiner Schritt! Wer bereit ist, gegen unschuldige Politiker
und Manager Farbbeutel einzusetzen, wird letztendlich auch nicht davor zurückschrecken,
Bomben zu werfen! Selbst wenn man unterstellt, daß Politiker- und Manager durch
ihre Entscheidungen gelegentlich ganze Völker und Kontinente in Armut und sonstige
Katastrophen zu stürzen pflegen, kann es auf keinen Fall hingenommen werden,
daß sich linksradikale Rabauken mit Farbbeutel-Anschlägen an ebenjenen abreagieren!
Auch kann es nicht hingenommen werden, daß solcherart linke Gewalttaten mit
den weitaus zahlreicheren und brutaleren Aktivitäten der Neonazis aufgerechnet
werden! Denn auch heute gilt - nach links - wie eh und je: Wehret den Anfängen!
Gegen die erstarkenden Neonazis kann diese Aufforderung leider nicht mehr in
Anschlag gebracht werden, denn die sind inzwischen so weit vorangekommen, daß
von Anfängen nicht mehr gesprochen werden kann!
Nicht
bestätigt sind folgende Überlegungen, die der Hamburger Extremismus-Forscher
Wolfgang Kraushaar so oder ähnlich in sein persönliches Tagebuch geschrieben
haben könnte: `Diese linken Globalisierungsgegner sind wirklich mit allen Wassern
gewaschen! Statt die Bürger mit stichhaltigen Gegenargumenten zu langweilen,
bedienen sie sich Formen subversiv-raffinierter Polithappenings, gegen die kein
Kraut gewachsen zu sein scheint! Nichts ist wirkungsvoller als das Mittel der
symbolischen Aktion: Rote Farbbeutel gegen die Häuser von Politikern und Managern
geschmissen, die mit dem G-8-Treffen in Verbindung gebracht werden, und selbst
der abgebrühteste Politikverweigerer kapiert sofort, worum es geht! Tiefer könnte
unser System nichts ins politische Mark getroffen werden: Überzeugung durch
Nichtüberzeugung! Das muß mit allen Mitteln bekämpft werden!´