Es herrscht eine allgemeine Großwetterlage, bei der es den
einen oder anderen zartbesaiteten Literaten und Dichter urplötzlich von den
Beinen reißen könnte. Dagegen stehen diese meist robusten, Kunstfürze
produzierenden, darstellenden Künstlerinnen - oft gutsituiert verheiratet und
schrecklich gelangweilt – noch immer auf festen Füßen, überzeugt von ihrer
Mission, die gegenwärtige Kunstepoche bereichern zu können.
Weit draußen, vor der privatisierten Mülldeponie, hört man
noch schwach die Stimme eines Hartz IV-Geschädigten im Sturm:,, Wahrlich,
wahrlich, ich sage euch, einem Straßenköder nimmt man nicht ungestraft seine
letzten Knochenreste weg. Er könnte sich an den reinrassigen Luxuskötern
furchtbar rächen. Und dann ist da noch der Beißreflex!"
Nachdem der Sturm ein wenig abgeflaut ist, taucht plötzlich
eine bekannte, aber auch umstrittene Persönlichkeit auf. Von zahlreichen
Sicherheitskräften umgeben schiebt er einen roten Sack auf Rollen vor sich her.
Gefüllt ist der Sack mit herrlichen, in goldglänzendem Geschenkpapier
verpackten, 1 €-Jobs. Mit großzügiger Hand verteilt der zwielichtige
Heilsbringer gestenreich seine milden Gaben. Kurze Zeit danach verdrückt sich
die imposante Erscheinung schnellstens in Richtung Osteuropa, dem Land des
unsichtbaren Goldes und des gescheiterten Kommunismus. Man wird ihn wohl nie
wieder in ähnlicher Funktion zu sehen bekommen.
Eine gutsituierte, oft schrecklich gelangweilte,
autodidaktische Künstlerin bereitet gewissenhaft ihre erste öffentliche
Ausstellung im örtlichen „Kunstgewölbe“ vor. Dabei geht ihr einer der
1€-Job-Beschenkten, ein Magister der Literaturwissenschaften bereitwillig zur
Hand. Doch leider bereiten dem Wissenschaftler die von ihm aufzuhängenden
Exponate körperliche, aber vor allen Dingen seelische Schmerzen. Aber auch er
ahnt, was die Stunde geschlagen haben könnte, und lächelt hingebungsvoll, das
Ziel einer Festanstellung in einem der letzten staatlichen Kunsthäusern nie aus
den Augen verlierend, in Richtung der vermeintlichen Kunstepochenstürmerin.
Der Sturm wird wohl ein Dauerzustand bleiben. Zahlreiche abgemagerte
Straßenköter jagen gutgenährten, reinrassigen Luxuskötern hinterher. Am anderen
Ende der Stadt, seit Stunden Ort des Sturmzentrums, wird eine der letzten
zartbesaiteten, hauchdünnen Dichterpersönlichkeiten urplötzlich von den Beinen
gehoben. Er verschwindet laut klagend zwischen tiefliegenden, schwarzen
Wolkengebilden. Als allerletzten Eindruck in seinem Dasein, das schon seit
Monaten verwaiste Staatstheater, immer kleiner werdend.
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